Institut für Visual Computing (IVC) der Hochschule-Bonn-Rhein-Sieg im Auftrag des BSI Überlagerung eines mit dem Farbdrucker gefälschten Ausweises mit computergenerierten Hologrammen. (2017)
Deep-Fake-Angriff. Gesicht der Person im Videostream wurde in Echtzeit mit dem Gesicht aus dem Ausweis ersetzt (etwas später als der erste)
Hack des CCC (Tschirsich, 2022). Tschirsich beschreibt, dass der Angreifer sich selbst filme, wie er einen Personalausweis in die Kamera hält und das erforderliche Prozedere durchgeht. Danach filme er den Personalausweis einer anderen Person. Anschließend lege der Angreifer Teile des Videos des fremden Personalausweises – das Passbild, die Anschrift, etc. – über sein Originalvideobild. Diese Techniken existieren im Wesentlichen seit mehr als einem Jahrzehnt. ⇒ Der Angriff ist wesentlich einfacher durchführbar als die ersten beiden!
Der Angriff basiert auf der videotechnischen Kombination zweier oder mehrerer echter ID-Dokumente im Videobild zu einem künstlichen neuen ID-Dokument. Dazu werden Bildausschnitte aus einem Video in ein zweites Video übertragen.
Detailinfos zum neuen Personalausweis gibt es auf dem Personalausweisportal des BMI.
Den neuen Personalausweis (nPA) im Scheckkartenformat gibt es seit dem 1.11.2010, den elektronischen Aufenthaltstitel seit 1.9.2011. Mit beiden Ausweiskarten ist die Online-Ausweisfunktion etabliert worden, die seit Juli 2017 bei neu ausgegebenen Ausweiskarten immer eingeschaltet ist. Seitdem steigt der Anteil der eingeschalteten Online-Ausweise jährlich um rund 8 Millionen.2)
Zudem wurde im Februar 2022 von der Bundesdruckerei im Auftrag des BMI ein Online-Rücksetzdienst (PRS = PIN-Reset-Service) für die PIN eingerichtet, der den Gang zum Amt erspart, wenn die PIN vergessen oder noch nicht aktiviert wurde. Am 25.5.2023 meldet die Bundesdruckerei die 1.000.000ste Bestellung.3)
Der nPA ist keine SSEE, aber ermöglicht Fernsignatur.
Folgende Daten stehen auf dem Chip:
Die maschinenlesbare Zone (englisch: Machine Readable Zone, MRZ) befindet sich im unteren Bereich des nPA und entspricht den Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO). Dadurch ist sichergestellt, dass die deutschen Ausweise und Pässe zB bei Grenzkontrollen analog zu internationalen Reisepässen maschinell gelesen werden können. Kürzung erfolgt wegen begrenzter Zeichenzahl nach festen Regeln.
Kopien des nPA sind nur mit dem Einverständnis der Ausweisinhaber*innen erlaubt.4). Wurde das Dokument im Original vorgelegt und erfolgte eine Identifizierung reicht in den meisten Fällen ein Vermerk als Dokumentation. Darüber hinaus gibt es gesetzlich geregelte Fälle, in denen Kopien von Ausweisen erstellt werden dürfen bzw. müssen.5)
Digitale Funktionen des nPA:
Mobiles Online-Ausweisen:
Abbildung 1 zeigt die Möglichkeiten des mobilen Online-Ausweisens.
Abb. 1: Mobiles Online-Ausweisen / Quelle: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Hrsg., 2019. Digitale Identifizierung mit dem deutschen Online-Ausweis (abgerufen am 10.10.2022), S. 12.
„On-the-Fly“-Signatur-Signatur
Bisherige Signaturverfahren trennen die Vorgänge der Identifizierung (zum Erhalt des Signaturzertifikats) und der Authentisierung (zum Auslösen der Signatur) in separate Schritte. Mit dem nPA können beide Vorgänge in einem Schritt im Rahmen einer (eIDAS-konformen) Fernsignatur zusammengefasst werden, wie Abbildung 2 zeigt.
Abb. 2: Fernsignatur mit nPA / Quelle: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Hrsg., 2019. Digitale Identifizierung mit dem deutschen Online-Ausweis (abgerufen am 10.10.2022), S. 21.
Das Vor-Ort-Auslesen ist geeignet für die in der Kreditwirtschaft gem. AO und GwG notwendige Legitimationsprüfung natürlicher Personen in den Filialen sowie beim Erwerb von SIM-Karten bzw. dem Abschluss von Mobilfunkverträgen nach TKG.
Seit August 2021 müssen alle Menschen in Deutschland beim Beantragen eines Personalausweises zwei Fingerabdrücke hinterlassen. Dies regelt die Verordnung (EU) 2019/1157 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juni 2019 zur Erhöhung der Sicherheit der Personalausweise von Unionsbürgern und der Aufenthaltsdokumente, die Unionsbürgern und deren Familienangehörigen ausgestellt werden, die ihr Recht auf Freizügigkeit ausüben und § 5 Abs. 9 des deutschen Personalausweisgesetzes.
Die Biometriefunktion kommt ausschließlich bei hoheitlichen Personenkontrollen an Grenzen oder im Inland zum Einsatz. Diensteanbieter können darauf nicht zugreifen.
Abbildung 3 zeigt die technische Architektur.
Abb. 3: Technische Architektur / Quelle: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Hrsg., 2019. Digitale Identifizierung mit dem deutschen Online-Ausweis (abgerufen am 10.10.2022), S. 13.
Anbieter von Identifizierungslösungen bieten Dienste an, die von der VfB zugelassen wurden und die TRs des BSI einhalten (gem. § 2 Abs. 3a PAuswG). Der Vorteil ist, dass sie keinen eigenen eID-Server benötigen.
Zu den ersten Identifizierungslösungen zählt bspw. AusweisIDent der Bundesdruckerei und Governikus.
Die im Chip des nPA gespeicherten Daten sind durch besondere Sicherheitsmechanismen (Extended Access Control) vor unberechtigtem Auslesen geschützt:
Nur wenn dem Chip der richtige Schlüssel übermittelt wird, gibt er die Daten gegenüber dem Lesegerät frei.7)
Gem. § 21 Abs. 7 PAuswG sind öffentliche Stellen von EU-Mitgliedstaaten berechtigt, Daten des nPA im Wege des elektronischen Identitätsnachweises anzufragen und können diese mit Zustimmung und PIN-Eingabe der Nutzer*innen auslesen. Gem. eIDAS-VO stellt die BRD den anderen Mitgliedstaaten eine entsprechende Software zur Anbindung an das deutsche eID-System bereit.8)
Darüber hinaus dürfen Inspektionssysteme von Kontrollbehörden in der EU im Rahmen ihrer Kontrollaufgaben nach einer erfolgreichen Authentisierung unter Verwendung der MRZ oder der CAN auf Daten zugreifen.9)
Ändern ist nur über sog. Visualisierungs-Änderungsterminals in den Personalausweisbehörden möglich. Diese Terminals müssen sich täglich bei den Ausweisherstellern mit einer Smartcard elektronisch autorisieren; bei Verlust werden die Geräte unmittelbar gelöscht.10) Die Terminals sind über eine mittels TLS abgesicherte Online-Verbindung an die durch den Ausweishersteller im Hintergrund betriebenen Systeme angeschlossen. Über diesen Kanal werden Softwareaktualsiierungen, aktuelle TLS-Zertifikate, CSCA-Zertifikate und -Masterlisten sowie die Zertifikate aus der CVCA-eID-PKI bezogen, die für den Zugriff der Terminals auf die nPAs notwendig sind. Initiiert wird die Kommunikation dabei ausschließlich durch die Firmware der Terminals. Darüber hinaus erfolgt keinerlei Kommunikation über externe Datennetze.11)
Der Betrieb der Terminals ist nur mittels eines Bedienerkarte inkl. zugehöriger PIN möglich, die nur Mitarbeitern der Pass- und Ausweisbehörden vorliegt.12)
Wurde im Rahmen der Haushaltskorrekturen zum Ende 2023 ausgesetzt13) und zum 1.2.2024 eingestellt14). Das BSI überlegt aber die kostenpflichtige Wiedereinführung oder eine Zustellung an das ePostfach der BundID.15)
Aktueller Status: Beliehene sollen es regeln: https://www.heise.de/news/Online-Ausweis-Buerger-sollen-PIN-fuer-die-eID-online-zuruecksetzen-koennen-9891644.html
Kleine Anfrage der CDU-Fraktion zur Wallet-Strategie der BReg: https://dserver.bundestag.de/btd/20/127/2012796.pdf
eGovernment Monitor 202216)